Klimaspaziergang Finsterwalde

Städte und ihre Bewohner haben zunehmend mit den Folgen des Klimawandels zu kämpfen. Besonders Städte mit enger Bebauung heizen sich im Sommer sehr stark auf und kühlen nur sehr langsam wieder ab. Das schadet unserer Gesundheit und schränkt unseren Alltag ein, wenn der Weg zum Einkaufen beschwerlich wird. Doch mit Hilfe von Pflanzen, die Wasser verdunsten, kann die Temperatur verringert werden. Wir möchten Sie auf eine Entdeckungstour durch Finsterwalde schicken und Ihnen einige bereits bestehende und auch mögliche Maßnahmen zur Temperatursenkung näher beschreiben. Auf unserem”Klimaspaziergang” können Sie an 12 Stationen Wissenswertes und vielleicht Überraschendes über kühlende Bäume, grüne Dächer und lebende Fassaden erfahren. Vielleicht ist auch die ein oder andere Anregung für den eigenen Garten oder Haus dabei.

Station1: Rasensteine beim FIB // Der Parkplatz vom FIB ist mit Rasensteinen gepflastert. Durch die Rillen kann Niederschlagswasser vor Ort versickern. Sind die Rillen zusätzlich mit Gras bewachsen, kann ein Teil des Regenwassers über die Pflanzen wieder verdunsten.Die Luft über den Steinen kühlt sich ab und der Parkplatz heizt sich im Sommer weniger stark auf. Je größer der Anteil der Rillen an der Parkplatzfläche ist, desto mehr Wasser kann versickern und verdunsten. Ansonsten würde das Regenwasser in das Kanalnetz geleitet und steht dem natürlichen Wasserkreislauf nicht mehr zur Verfügung.

Station 2: Netto-Parkplatz // Dieser Parkplatz ist zum großen Teil vollständig versiegelt. Das Regenwassers wird vorrangig in das Kanalnetz geleitet und geht dem Wasserkreislauf verloren. Regenwasser kann nur auf Höhe der Parktaschen versickern. Insgesamt verdunstet nur wenig Wasser auf dieser Fläche. Dadurch heizt sich der Parkplatz im Sommer sehr stark auf. Mit einem höheren Anteil von Rasensteinen, bewachsenen Rillen und Bäumen zwischen den Parktaschen, könnte das Regenwasser vor Ort verdunsten und den Parkplatz kühlen.

Station 3: Dachbegrünung auf der Kita // Auf dem Flachdach der Kita befindet sich eine Dachbegrünung. Hauptsächlich Gräser, Moose und Dickblattgewächsen sind dort zu finden. Sie sind anspruchslos, pflegeleicht und bleiben niedrig. Unter den Pflanzen ist die Dachbegrünung aus verschiedenen Schichten aufgebaut, die einerseits Wasser speichern und andererseits überschüssiges Wasser ableiten können. Etwa 50 % des Regenwassers wird gespeichert und kann über die Pflanzen wieder verdunsten. Die Umgebung wird gekühlt. So entsteht ein kleiner lokaler Wasserkreislauf auf dem Dach.

Station 4: Alleen Heinrich-Heine-Straße Kreuzung Frankenaer Weg // Bäume spenden Schatten und kühlen ihre Umgebung, indem sie Wasser verdunsten. Beide Straßen sind mit Alleen gesäumt. Die Kronen der älteren Bäume auf der Heinrich-Heine-Straße bilden über der Straße ein dichteres Blätterdach als die auf dem Frankenaer Weg. Je dichter das Blätterdach, desto weniger Sonnenlicht dringt durch das Laub und heizt im Sommer die Straße auf. Junge Bäume brauchen viele Jahre bis sie ihr ganzes Potential ausgeschöpft haben. Jetzt also Bäume pflanzen, damit sie noch genug Zeit zum Wachsen haben.

Station 5: Schillerplatz // Auf dem Schillerplatz befinden sich bereits Baumgruppen und ein Solitärbaum. Doch die große Grünfläche bietet durchaus Platz für weitere Bäume. Wird ein zusätzlicher Baum zu einer Baumgruppe gepflanzt, erhöht sich die Kühlleistung stärker, als wenn der Baum alleine für sich stehen würde. Doch der Solitärbaum in der Platzmittel ist ein attraktives Landschaftselement und sollte deshalb für sich bleiben. Zusätzliche Bäume können entlang des Fußweges geplanzt werden oder die Baumgruppen ergänzen.

Station 6: Kirchhainer Str. //Ist eine Straße sehr breit, bilden Alleebäume nur selten ein geschlossenes Kronendach. Trotzdem beschatten Baumreihen den Fußweg und vermindern das Aufheizen. Besonders gut geeignet ist der Kugelahorn. Dieser niedrige Baum bildet eine dichte, kugelige Krone und vergrößert so seine Schattenwirkung. Der Kühlungseffekt durch Straßenbäume kann erhöht werden, wenn sich um die Bäume eine Baumscheibe anstatt von Asphalt befindet.

Station 7: Forststraße, hinter dem Gärtner // Das Gebäude besitzt eine Fassadenbegrünung, die gleich mehrere Funktionen erfüllt. Zum Einen verdunsten die Pflanzen und kühlen damit ihre Umgebung, zum Anderen heizt sich die Fassade im Sommer nicht auf. Fassaden ohne Pflanzen geben Nachts ebenfalls Wärme ab, was das Abkühlen der Stadt verhindert. Ein weiterer Vorteil einer Fassadenbegrünung ist, dass im Winter weniger Wärme über die Hauswände abgegeben wird. Das spart Heizkosten und schützt die Umwelt und die Ressourcen.

Station 8: Friedenstraße // Die Friedenstraße ist beidseitig gesäumt von einer Baumhaselallee. Diese kugeligen bis kegelförmigen Bäume bilden ein fast geschlossenes Blätterdach über dem Fußweg. Das verhindert das Aufheizen der versiegelten Fläche und damit eine angenehmere Nutzung im Sommer. Zudem erfreuen sich verschiedene Tiere an den Früchten der Bäume.

Station 9: Freifläche zwischen Wohnblocks // Zwischen den großen Wohnblocks befinden sich Wiese und Wäschestangen. Doch es fehlt an schattigen Plätzen. Im Sommer steigt die Temperatur zwischen den großen Betonfassaden rasch an. Das verhindert, dass im Sommer die Wiese nur ungern genutzt wird. Baumgruppen könnten für den nötigen Schatten und damit für kühle Inseln zwischen den Wäschestangen sorgen. So kann die Wiese auch an heißen Tag genutzt werden.

Station 10: Wohnblock // Große, fensterlose Fassaden sind optimal geeignet für eine Fassadenbegrünung. Rankende Pflanzen, wie Wilde Rebe oder Wilder Wein, können sich mehrere Meter an einem Gestell in die Höhe ranken. An Fassaden mit Fenstern wird das Rankgestell einfach um die Fenster herum geführt. Im Sommer vermindern die Pflanzen ein Aufheizen und im Winter das Auskühlen des Gebäudes. Zudem verdunsten die Pflanzen Wasser und kühlen ihre direkte Umgebung. Das gesammelte Regenwasser vom Hausdach dient der Bewässerung. Auch für Vögel und Insekten bietet eine Fassadenbegrünung einen Lebensraum in der Stadt.

Station 11: Straße der Jugend, gegenüber Sängerstadt-Gymnasium // Zwischen den Wohnblocks sorgen hohe Bäume für Schatten und Kühle im Sommer. Während zwischen den ersten beiden Gebäuden viele Bäume gepflanzt wurden, sind es zwischen dem zweiten und dritten deutlich weniger. Hier könnten weitere Bäume gepflanzt und damit das Kronendach vergrößert werden. Stehen Bäume in Gruppen, ist der Kühlungseffekt durch Verdunstung und Schattenwurf größer als wenn jeder Baum allein stehen würde. Die Wirkung auf das Lokalklima kann verbessert werden, wenn zur bestehenden Baumgruppe weitere Bäume hinzu kommen.

Station 12: Marktplatz in Finsterwalde // Große versiegelte Flächen heizen sich im Sommer sehr stark auf. Manchmal ist die Versiegelung jedoch erforderlich. Doch auch auf großen Markplätzen können Bäume gepflanzt oder eine Pergola über Sitzbänke angelegt werden. Die Pflanzen spenden Schatten und kühlen ihre Umgebungen, indem sie Wasser verdunsten. Das Regenwasser, welches auf die versiegelte Fläche fällt, kann gesammelt und zur Bewässerung der Pflanzen genutzt werden.

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